Weingut WoW by Wolfgang Bender

Das „TILT“ Jahr 2016

Das Jahr 2016 bleibt mir als Winzer vor allem durch den größten Ertragsausfall in Erinnerung den ich in unseren Aufzeichnungen finden konnte. Mit 65% weniger Ernte, als im 10 Jahresschnitt, kann nur mein Geburtsjahr 1988, mit einem durch Hagel verursachten Totalausfall, mithalten.

Peronospora oder auch falscher Mehltau ist ein Pilz der es vor allem gerne feucht mag. Egal ob Konventioneller Weinbau oder als Biobetrieb, bis auf ein paar wenige resistente Rebsorten müssen alle Winzer jedes Jahr Pflanzenschutzmaßnahmen ergreifen um sich vor unter anderem diesem Pilzbefall zu schützen. Grundsätzlich sind hier die konventionellen Betriebe, zu denen das Weingut WoW zählt, im Vorteil. Durch Systemische Mittel die auch in der Pflanze wirken lässt sich ein Ertragsausfall leichter verhindern als mit Biozertifizierten Kontaktmitteln die vorwiegend nur auf der Pflanze für Schutz sorgen. Regnet es viel, Im Jahr 2016 gab es von Mai – August keinen einzigen Tag ohne regen in unserer Region, haben es Kontaktmittel schwer. Der Regen wäscht sie einfach ab und ein vernünftiger Pflanzenschutz ist nur bei sehr kurzen Spritzabständen und sehr viel Mitteleinsatz möglich.

In normalen Jahren muss in unserem Betrieb also bei der Hälfte der Spritzungen einmal pro Woche Pflanzenschutz betrieben werden. Nachdem die Blüte vorüber ist sogar nur noch alle zwei Wochen einmal. Dabei verwenden wir anfangs Kontaktmittel und steigen später auf systemische Mittel zurück. Hier wird hauptsächlich auf die Raubmilben und Nützlingsschonung geachtet, ob es Gewässerschutzauflagen gibt oder die Mittel sogar Bienen gefährlich sind. Ob Bio oder nicht spielt dabei für die Mittelwahl erst einmal keine Rolle. So entsteht ein sehr gut funktionierender Kompromiss zwischen Biologischem Anbau und Konventionellem Anbau. Die Welt lässt sich ja auch nicht in schwarz und weiß einteilen. Jetzt hat diese Art Pflanzenschutz für viele Jahre sehr gut funktioniert. Leider war es für mich als Einmannbetrieb nicht möglich doppelt oder sogar drei mal so oft spritzen zu gehen. Insbesondere um die Blüte herum stand ich in Hamburg, Nürnberg und Düsseldort auf Weinmessen anstelle mich nur noch um den Pflanzenschutz zu kümmern.

Eine Zwickmühle denn weder mit dem Ertragsausfall noch mit den Umsatzeinbrüchen aus versäumten Verkaufsaktionen lässt sich so ein Weingut wirtschaftlich betreiben. So hat mich das Jahr 2016 vor allem eines gelehrt. Egal wie wenig man schläft und wie viel Energie man in die Arbeit steckt. Es gibt einfach Grenzen die man als einzelner nicht überschreiten kann. In solchen Zeiten ist es ok zu scheitern und an seine Grenzen zu kommen. Wenn man das akzeptiert ist es im nächsten Schritt auch einfach neue Wege zu gehen, sich zu erden und neu durchzustarten.

Mein drei Punkte Plan in dieser Zeit

  • Das beste aus der Situation machen. Verkaufen was das zeug hält und alternative Geldquellen gewinnen (Siehe Startnext: Zinfandel)
  • Abstand zum Betrieb bekommen um mit einem freien Kopf und geschärften Sinnen einen anderen Blick auf den eigenen Betrieb zu kriegen (zwei Wochen Surfen auf Fuerteventura in einem Surfhouse mit einem Haufen verrückter Menschen helfen da Wunder).
  • Zurück kommen und die Erkenntnisse Schritt für Schritt umsetzen.

 

Ein versöhnliches Ende 2016

Das Startnext Projekt hat nicht nur mit der erfolgreichen Finanzierung den Erhalt des Weingutes gesichert sondern vor allem das Weingut ökologisch sehr viel weiter gebracht. Die Ernte in 2016 war zwar sehr klein (der Pilz hatte die meisten Blütenstände befallen), dafür war die Qualität aber durch den geringen Ertrag sehr gut. Auch wenn der Ertragsausfall noch lange wirtschaftlich wehtun wird, so hat diese Erfahrung die Ausrichtung des Weingutes erst auf seinen heutigen Weg gebracht.